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© Oriens-Occidens e.V. 2026 | 13.10.2026 Impressum

Sommerseminar 2026

im koptisch-orthodoxen Kloster Brenkhausen 27. bis 30. August 2026
Nach dem informativen und erlebnisreichen Seminar des Jahres 2021 kehrten viele der damaligen Teilnehmer nun erneut vom 27. – 30. August 2026 zu einem Sommerseminar unter dem Titel „Brenkhausen – Paderborn – Höxter“ in das koptisch-orthodoxe Kloster der „heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Mauritius“ in Brenkhausen zurück. Eingeladen hatte Bischof Anba Damian, Hausherr und Hüter des Klosters, der vor kurzem von Papst Tawadros II. zum Metropoliten erhoben wurde. Geehrt bzw. gewürdigt wurde hier die unermüdliche Tätigkeit eines wahrhaft ökumenisch gesinnten Bischofs, der im Laufe dieses Seminars auch eindrucksvoll das Voranschreiten seiner vielfältigen Aktivitäten zeigen konnte und den im wahrsten Sinne des Wortes ergriffenen Teilnehmern erläuterte. Wer Anba Damian erlebt, sieht einen Demiurgen, der stets im Aufbau vieler Unternehmungen tätig ist und gleichzeitig an mehreren Orten zugleich zu sein scheint. Er beherrscht es, Management und Erzählung und freundliche Demonstration der reichlichen Gaben des Klosters unter einen Hut zu bringen, oft mit Handy am Ohr, einem offenen Lächeln und mit ägyptisch- orientalischen Erzählungen gespickt wird alles zu einem Gesamtkunstwerk. Die Bedeutung des Wortes „Metropolit“, also eines Menschen, der ein „weltstädtisches Maß“ vorgibt, lebt er vor. Er ist für alle da. So schwebte Anba Damian kurz nach der Ankunft der Mitglieder von Oriens Occidens gegen 16.00 Uhr erst aus den Niederlanden ein, begrüßte trotz der Strapazen der jüngsten Reise umgehend die neuen Gäste und eröffnete das Seminar selbst mit einem reichlichen Kuchenbuffet, nicht ohne zugleich das Wandgemälde über der Kaffeetafel – Christus im Kreis seiner Jünger beim Letzten Abendmahl - zu erklären – unermüdlich. Voller Stolz und glücklich über dessen Wahl stellte er den Ankömmlingen Anba Deuscoros, den Bischof der koptisch-orthodoxen Diözese in Süddeutschland und Abt des St. Antonius Klosters in Kröffelbach bei Frankfurt vor, der hier zu einem Austausch und zu Absprachen Station genommen hatte. Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer begrüßte ihn als seinen ehemaligen Zögling, der in den Anfangsjahren des Collegium Orientale in Eichstätt seine Ausbildung erfuhr. Anba Deuscoros sei, so der Gründungsrektor des Collegiums, der Mann, der in Süddeutschland wieder eine größere Ordnung schaffe; es war ein Wiedersehn alter Bekannter, deren gegenseitige Wertschätzung sich in der ökumenischen Zusammenarbeit offenbart. Weiter ging es zu einer Führung durch das Klostergelände, um die großen Fortschritte der Renovierung und der Neugestaltung der ehemaligen Ruine des Zisterzienserinnen- bzw. Benediktinerinnen-Klosters in eine ökumenische Begegnungsstätte in Augenschein zu nehmen. Der Metropolit führte zuerst in sein Projekt „Garten Eden“ mit selbst angebautem Gemüse und Salat für die Klosterküche, zum frisch geschlüpften Nachwuchs der Hühner und den großzügig angelegten Wegen und Inschriften, die auf seine Initiative und mit Hilfe des Landkreises sinngerecht angelegt wurden: Es wird in vielen Sprachen zum gemeinsamen Innehalten in Frieden eingeladen. Natürlich trägt auch die an das Kloster angelehnte Pfarrkirche die Handschrift der Neuausrichtung. Das geschwisterliche Nebeneinander und Miteinander von koptischem Kloster und der benachbarten katholischen
Kirche offenbart nach Anba Damian vor allem die Neugestaltung der Glasfenster. Die Gemeinde favorisierte hier ausdrücklich keine abstrakten Kunstwerke, sondern eine figürliche Gestaltung, die in der Abfolge der Fenster chronologisch die bedeutendsten Heiligengestalten der Geschichte der Klöster widerspiegelt. Den Anfang – Anba Damians Lieblingsfenster – macht das Fenster der Begründer des Klosterspiritualität, Paulus, Pachomius und Antonius, welche den Impuls für die Gründungen im Westen durch Benedikt und Scholastika, die als Figuren auch neben dem Tabernakel vor dem Hauptaltar stehen, gaben. Dass Paulus von Theben, Antonius der Große und Pachomius, die drei Gründerväter des christlichen Mönchtums, in der ägyptischen Wüste lebten und nun hier in Brenkhausen zu Hause sind, zauberte ein Lächeln in das Gesicht des Metropoliten. Gestaltet wurden die Fenster von dem Künstler Thomas Jessen, dessen Spezialität die Fenstermalerei auf historischem Glas ist. So entwirft er jedes Fenster als ein eigenes Kunstwerk mit einer individuellen Bedeutung. Vor der Kirche erzählte Anba Damian von den Anfängen, als ein Schreinermeister seine Werkstatt und Maschinen, gegenüber der Kirche, sowie seine Arbeitskraft und sein Wissen zur Verfügung stellte, um gemeinsam mit ehrenamtlichen Fachkräften aus Ägypten die Baufortschritte in Gang zu setzen und so bereits ca. 80% der gesamten Arbeiten durchzuführen. So konnten mit traditionellen Methoden und zur Zufriedenheit des Denkmalschutzes historische Dielen und Fenster sowie Treppen, Kanalisation, sanitäre Anlagen, Strom, Wasser, Wandheizung und der Wärme spendende Kamin hergestellt werden. Später zeigte er auch das neue Projekt, den Ausbau des barocken Innenhofs zu einem Veranstaltungsort. Die mittlerweile stillgelegte Schreinerei, welche dem Kloster geschenkt wurde, ist das anvisierte neue Lieblingsprojekt des Metropoliten. Hier soll ein Hospiz und eine Palliativstation entstehen, ein Vorhaben, das bereits von vielen öffentlichen Stellen volle Zustimmung erhalten hat. Noch fehlt es an einem Organisator, der dem Metropoliten zur Hand geht. Wie man ihn kennt, wird auch das in absehbarer Zeit umgesetzt werden. Jeden Abend und ebenso jeden Morgen wurde ein Abendlob/Abendweihrauch bzw. ein Morgenlob in der koptischen Kirche des Klosters gefeiert. Auch hierbei zeigte sich die ökumenische Gesinnung und das pastorale Gespür des Metropoliten, indem alle in die Gestaltung, sei es durch Lesung des Evangeliums durch Dr. Thiermeyer oder dem Kyrie-Gesang der katholischen Liturgie mit hineingenommen wurden. Selbst das Essen zum Tagesabschluss wurde zu einer Feier. Die zahlreichen und hervorragenden Mahlzeiten präsentierte Anba Damian wie ein professioneller Conférencier, eingerahmt von Herzblut und ehrlicher Begeisterung. Im Klosterstübchen war dann Zeit zum Austausch.
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2. Tag Nach dem Morgenlob und dem üppigen Frühstück erläuterte Metropolit Anba Damian noch kurz seine Pläne für den Innenhof des Klosters. Zuvor jedoch führte der Künstler Gunter Schmidt-Riedig, welcher im Kloster zahlreiche seiner Holzfiguren zu einem lebendigen Museum gestaltet hat, die Gruppe. „Schon früh folgte Gunter Schmidt-Riedig seiner Berufung und beschäftigte sich als tiefgläubiger Christ mit der Bibel und dem Glauben sowie dem Material Holz“, erklärte Metropolit Anba Damian. Diese sein Leben begleitende Beschäftigung mit biblischen Motiven konnte man selbst erkennen, sie wurden jedoch ebenso kenntnisreich durch den Bildhauer persönlich an einigen Objekten demonstriert. Hierbei betonte er zum einen die unterschiedlichen Holzarten, deren Maserung er teilweise sinnträchtig in die Darstellung der Figuren und der Szenen einzubinden wusste. Neben klar erkennbaren biblischen Figuren ist ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit die symbolhafte Rätselhaftigkeit biblischer Worte oder Gebete, sei es das Vater Unser oder die Seligpreisungen. Eingehend bestaunt und begleitet von den Erläuterungen des Künstlers entstand ein Dialog über das eine oder andere Werk. Anschließend machte sich die Gesellschaft auf nach Nieheim, die nächste große Errungenschaft des Klosters, ein neu gegründetes koptisch- orthodoxes Nonnenkloster. Das koptisch-orthodoxe Nonnenkloster St. Georg ist im historischen Weberhaus (einer ehemaligen Kolping-Bildungsstätte) eingerichtet. Das klösterliche Leben und die Ausbildung neuer Ordensfrauen wird von der Gründeräbtissin Mutter Aksany Wasef geleitet, die aus einem Frauenkloster in Ägypten nach Deutschland entsandt wurde. Sie ist, wie sich alle in ihrem Atelier überzeugen konnten, eine talentierte Ikonenschreiberin. Mit zwei Novizinnen begrüßte sie die Gruppe herzlich, wobei die Vorsitzende, Frau Edeltraud Weber, im Namen von Oriens Occidens eine Spende von 1500 €uro für das Kloster überreichte. Dass diese Unterstützung bestens genutzt wird, offenbarte die Besichtigung auf überzeugende Weise. So ist z. B. im Erdgeschoss des Gebäudes, in der ehemaligen Dienstwohnung des in der Stadt berühmten Arztes Friedrich Wilhelm Weber, eine offizielle deutsche Residenz für das Kirchenoberhaupt, Seine Heiligkeit Papst Tawadros II., eingerichtet. Das dazugehörende große ehemalige Kolpinghaus wird nun vom Kloster für verschiedene Anliegen genutzt, so bietet man z.B. ein "Klosterleben auf Zeit" an. Mädchen und Frauen aus aller Welt können hier temporär in den spirituellen Alltag eintauchen, sich von Strapazen und auch von geschehenen Unheilsituationen erholen und neue Kraft schöpfen, Jugendliche sind eingeladen zu Freizeiten. Eine Zukunftsvision ist auch die Idee, das Bettenhaus zu einem medizinischen Bildungszentrum weiterzuentwickeln. Pflegekräfte könnten dort ausgebildet werden, die Ärzte bei der medizinischen Arbeit unterstützten. Das hier von der Seminargruppe eingenommene Mittagessen entsprach ganz dem koptischen Rahmen eines Nonnenklosters: vegetarisch, ägyptisch, vielfältig und hervorragend. Zurück im Kloster Brenkhausen konnten sich alle erst einmal von den vielen Eindrücken erholen, bevor es dann am Nachmittag weiterging zu den ebenfalls von Brenkhausen in Gang gesetzten Initiativen. Auf dem ehemaligen Kasernengelände der Flugwaffe in Borgentreich, das die koptische Kirche erworben hatte, entstand eine Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge. Zurecht mit Stolz konnte Metropolit Anba Damian sein Werk zu Gesicht bringen. Für die Flüchtlingsunterkunft hat die koptische Kirche ihr Gelände zur Verfügung gestellt. Für Anba Damian ist die Betreuung der Flüchtlinge ein Werk der Nächstenliebe, also ein Auftrag für alle Christen. Auf dem Gelände gibt es nun auch eine offene Kirche für alle Konfessionen. Dazu wurde ein ehemaliges Kesselhaus der Kaserne umgebaut. Seit 2015 finden dort regelmäßig Gottesdienste statt. Die Gottesdienste werden in Koptisch, Arabisch, Englisch und Deutsch angeboten. Staunend darüber, was man aus einem Kesselhaus machen kann, bewunderte die Seminargruppe die Fortschritte. Man konnte bereits ahnen, dass demnächst die Fertigstellung möglich ist. Für die Erstellung der Glasfenster mit koptischen Motiven wurde der ägyptische Ikonenkünstler Isaak Sobhi beauftragt, weitere Dekoration stammen von deutschstämmigen Künstlerinnen. Die Kirche wird auch für allgemeine Veranstaltungen genutzt. Pragmatik, Kunst und Spiritualität kommen zusammen. Auch dass zur gleichen Zeit für muslimische Flüchtlinge ein Gebäude für das Gebet umgebaut wurde, ist für den Metropoliten selbstverständlich. Anba Abakir, der koptisch-orthodoxe Bischof für die Diözese von Skandinavien, der das Kloster in Brenkhausen soeben für Abstimmungen besucht, konnte hier eine bekannte Familie treffen. Dies erfreute alle, den Bischof, den Metropoliten, die Gruppe und die Familie. Zum Abschluss der Exkursion visierte die gesamte Gruppe den Besuch des syrischen Bischofs in Warburg an, der im Auftrag seiner Kirche für Europa zuständig ist. „Mor Philoxenus Mattias Nayis hält für die Erzdiözese der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien in Deutschland in Funktion als Erzbischof und Patriarchalvikar seit Dezember 2012 den bischöflichen Hirtenstab in der Hand. Er wurde am 09.12.2012 durch Seine dreiselige Heiligkeit Mor Ignatius Zakka I. Iwas […] im St. Jakob von Sarug Kloster in Warburg feierlich in sein neues Amt eingeführt.“ [siehe homepage des Klosters]
Als der Metropolit Anba Damian, der Bischof Anba Abakir, der Gründungsrektor des COR Abraham-Andreas Theirmeyer und die Seminargruppe am Abend im Kloster in Warburg eintrafen, empfing sie der Gesang der Seminaristen, die bei einem feierlichen Einzug in die Kirche vorangingen. Das Vater Unser in der Sprache Jesu zu vernehmen und die Geistlichen unterschiedlicher Konfessionen hier vereint im Altarraum zu erleben, war einer der spirituellen Höhepunkte des Seminars. In der anschließenden Führung durch das St. Jakob Museum, das in der ehemaligen Sakristei der Klosterkirche stattfand, erläuterte ein Seminarist die große Sammlung alter Manuskripte sowie der liturgischen Gegenstände und Ausstellungsstücke mit kirchenhistorischem Bezug. Zwei Exponate hob er dabei besonders hervor: ein Stoffausschnitt der Gürtelkordel der Heiligen Jungfrau Maria und zum anderen Knochenreliquien zweier Heiliger, des Apostel Thomas und St. Lazarus aus Habsus. Die Internationalität wurde sichtbar im Besuch einer Delegation von rund 50 gläubigen Gästen aus London. Während des opulenten Abendessens konnte der Gesang der Gruppe aus London von der Gruppe des Oriens Occidens erwidert werden. Auf diese Weise lernen sich Christen unterschiedlicher Provenienz ebenso kennen wie während des Essens. Ziel ist hier wiederum die Stärkung der ökumenisch-religiösen Gemeinschaft. Die Heimfahrt endete mit einem Abendlob und dem gemeinsamen Zusammensein. 3. Tag Nach dem Morgenlob und dem anschließenden Frühstück stand die Besichtigung von fünf Kirchen in Paderborn unter der kundigen Leitung von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer auf dem Programm. Höhepunkt und erste Anlaufstelle war der Hohe Dom St. Maria, St. Liborius, St. Kilian. Er liegt im Zentrum der Paderborner Innenstadt, nördlich von der ottonischen Kaiserpfalz aus dem 11. Jahrhundert und direkt oberhalb der Quellbecken der Pader. Wie Dr. Thiermeyer vor dem Portal bereits erläuterte, sind die Gebeine des HL. Liborius von Le Mans nach Paderborn überführt worden und jedes Jahr findet eine Wallfahrt statt, mit dem Tragen des Schreins durch die Stadt während des Liborifestes. Tragen dürfen diesen ausschließlich Mitglieder der Bruderschaft der Libori-Schreinträger. Bischof Badurad erhoffte damit, den christlichen Glauben der noch heidnisch geprägten Sachsen zu festigen. Empfangen wird man im Dom von der sog. Doppelmadonna, die im zweiten Langhausjoch des Mittelschiffs von der Decke herab grüßt. Maria als neue Eva zertritt hier den Kopf einer Schlange. Den Jesusknaben, der eine Weintraube in der rechten Hand hält, hat sie auf dem Arm. Zwei Engel halten eine Krone über ihrem Kopf. Die dreischiffige Hallenkirche verlor im Weltkrieg nahezu alle Glasfenster, die bis heute ersetzt wurden durch vielfältige Arbeiten bedeutender Künstler, insgesamt Glasmalereien von neun Künstlern, eine „Symphonie des Lichts“. Unter dem Altar der Krypta befindet sich ein Ebenholzschrein mit den Reliquien des hl. Liborius. Im Westen schließt an die Krypta der Vorraum zur Bischofsgruft mit den Reliquien des Bischofs Meinwerk an, ebenso die eigentliche Gruft der Paderborner Bischöfe. Der Innenhof des Kreuzganges ist vor allem bekannt durch das sog. Drei-Hasen-Fenster, gekennzeichnet mit dem Spruch „Der Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei.“ Man sieht drei springende Hasen, die kreisförmig angeordnet sind. Es wird als Symbol für die göttliche Dreifaltigkeit gedeutet, wunderbar und dennoch erkennbar. In der Folge stand die an den Dom grenzende Besichtigung der Bartholomäuskapelle statt. Hier konnte der „Chor des Oriens Occidens“ trotz einer kleinen Besetzung seine volle Stimme ertönen lassen. Denn die Kapelle ist berühmt für ihre einmalige Akustik. Sie ist Anziehungspunkt für Sänger und Instrumentalisten. Byzantinische Bauleute scheinen sie errichtet zu haben, denn die Hängekuppeln und die hier eingebauten Amphoren lassen jede noch so leise Stimme hörbar werden. Die rechteckige Hallenkirche ist durch sechs Säulen in drei gleich hohe Schiffe unterteilt, die extrem schlank sind und eine sogenannte Entasis aufweisen. Die dritte Anlaufstation war dann das Abdinghofkloster Sankt Peter und Paul, eine ehemalige Abtei der Benediktiner in Paderborn. Derzeit ist sie die Hauptkirche der evangelischen Kirchengemeinde Paderborn. Auch sie musste nach dem II. Weltkrieg wiederaufgebaut werden. Kirche und Krypta sind wieder sehr schön erhalten. Der Bau bot insofern einen weiteren Kontrastpunkt, als hier die klare und schlichte Linie eines romanischen Benediktinerklosters den Ton angibt. Diese Gestaltung gilt für beide Räumlichkeiten. Zurück über den Marktplatz mit seinen verlockenden Angeboten führte Dr. Thiermeyer die Gruppe in die Gaukirche St. Ulrich, und hier zuerst in die Seitenkapelle am Eingangstor. Denn dort befindet sich ein weiteres Beispiel für moderne Glaskunst. Wände aus reinem Glas beginnen farbig zu leuchten, es sind zumeist abstrakte Kompositionen. Die am Nordeingang aufscheinenden Glaselemente wurden von Thierry Boissel gestaltet. Boissel entwarf für die Kirche ein zeitgenössisches, von Zisterziensern inspiriertes Muster. Glaswände und Glastüren trennen die Kreuzkapelle ab. Die Kirche selbst hat die Form einer romanischen Basilika mit hohem Mittelschiff und niedrigen Seitenschiffen. Ins Auge sticht auch das Gabelkreuz in der Kreuzkapelle sowie ein Kreuzrelief. Den Kirchen- und Altarraum bestimmt ein Triumphkreuz. Zu Füßen des aus einem Holzkorpus geschnitzten Gekreuzigten liegt ein Bergkristall. Die zuletzt besuchte Busdorfkirche, die im östlichen Bereich der Paderborner Altstadt liegt, zeigte sich etwas verschlossen, da nur der Vorraum zugänglich war. Das war einerseits betrüblich, als der Durchblick durch das Gitter einen verheißungsvollen Einblick gewährte, jedoch auch zu verschmerzen, als die Eindrücke der zuvor besichtigten Kirchen erst einmal bei allen nachwirken konnten. Zudem rief der Klostermarkt in Dalheim, er verhieß zunächst einmal eine üppige Sättigung der Hungrigen, nicht zu Unrecht. Der Dalheimer Klostermarkt wirbt mit dem Slogan „Himmlisches Vergnügen für die ganze Familie“ und das Versprechen löste er ein. Nach einer weiteren Fahrt konnten wir auf dem Klostermarkt längere Zeit umherschweifen, um die Produkte der Klöster, die ebenso aus Österreich wie aus Bayern, nördlichen Regionen oder aus Tschechien, Frankreich und Polen angereist waren, zu begutachten und zu genießen, sei es Mallersdorfer Bier, Likör aus Melk oder Kunstwerke aller Art, dargeboten von Nonnen, Mönchen und Laien, orthodoxer, katholischer oder evangelischer Provenienz. Aus der Vorstellung: „Wenn Bruder Phillipp den Kochlöffel schwingt, Schwester Andrea Weine probieren lässt und Pater Gerhard sein Kräuterwissen teilt, dann ist im ehemaligen Kloster Dalheim wieder Zeit für Europas größten Klostermarkt. Am letzten Wochenende im August bieten Ordensbrüder und -schwestern aus rund 50 Abteien, Stiften und Klöstern ihre Waren auf dem Gelände des Klosters Dalheim an und zeigen, was in ihren Küchen, Kellern und Werkstätten an wertvollen Produkten entsteht.“ Gesättigt, spirituell und leiblich, sowie gefordert von den vielfältigen Eindrücken traten alle wiederum den Heimweg nach Brenkhausen an. Nach dem Abendlob wartete bereits das Abendessen, wie inzwischen gewohnt vielfältig, großartig - und diesmal sogar von einem italienischen Koch zusätzlich zubereitete Spezereien. Am Ende fand in der gemütlichen Gaststube wie auch in den vergangenen Abenden noch ein abschließender Gedankenaustausch statt. Am nächsten Morgen, nach der Sonntagsmesse und einem stärkenden Frühstück, hieß es Abschied nehmen von Metropolit Anba Damian und seinem gastlichen Kloster.